Haus T

 

 

Neubau eines Einfamilienhauses mit Carport, Pohlheim

Beauftragung

LPH 1 - 9

Projektleitung

Henry Kreiling, Ralf Rosner

Auftraggeber

privat

Daten

BGF XXX, BRI XXX

Fertigstellung

Februar 2012

Beschreibung

Eine der vermeintlich einfachsten, wünschenswertesten Aufgaben - in der Realität aber eine wahre Herausforderung: Das Klischee vom "Haus auf der grünen Wiese". Das für heutige Verhältnisse großzügige Baugrundstück, fast ebenerdig, der nach Süden ausgerichtete Garten mit unverbaubarer Aussicht, an einer ruhigen Wohnstraße gelegen, auf einer der letzten unbebauten Parzellen des Wohngebietes, am Ortsrand zur Natur, mit einem Bebauungsplan, der die Gestaltung nicht einschränkt. Vergleichbar wohl nur mit dem leeren Blatt Papier in der Schreibmaschine eines Schriftstellers.  Des Weiteren noch eine sympathische, ausgeglichene Bauherrschaft, die mit Lust am Bauen an die Aufgabe herantritt. Kultur- und architekturinteressiert und doch (oder gerade deshalb) mit der Einstellung, einen Architekten zu konsultieren, anstatt lediglich einen Erfüllungsgehilfen für die eigenen Ideen zu beauftragen. Es gab also keinerlei Entschuldigung für den Architekten.

 

Konkrete Anforderungen waren eine offene, helle, ebenerdige Wohnung, ein – später als Einliegerwohnung – abteilbarer Bereich für die Tochter, monolithische Bauweise, ein L-förmiger Grundriss, der den Garten vor fremden Einblicken schützt, ausreichend Wandflächen für Exponate, separater Abstellraum für Wein sowie ein offener Kamin.

Das Ergebnis, das Haus wird, wie immer wenn Architektur und nicht nur "naives Bauen" stattfindet, diskutiert, geschätzt, abgelehnt, verhöhnt, beachtet, manchmal vielleicht auch bewundert. Daran muss man sich als Architekt gewöhnen. Aber die wichtigste Anforderung ist, eine Heimat, ein Elternhaus, das Haus der Bauherrschaft zu sein, indem man sich zuhause fühlt, wohlfühlt, das man sich aneignet, mit dem man sich identifiziert, auf das man vielleicht auch ein wenig stolz ist. Wenn der Architekt das geschafft hat, dann hat er seine Aufgabe erfüllt.

 

Haus T bewegt sich förmlich um den geschützten Bereich des Gartens. Sämtliche von der Straße aus zu sehenden Elemente dienen einer dynamischen Figur. Flach, horizontal, anscheinend gerade mal ein wenig höher als man selbst. Den Endpunkt bildet die Ostfassade, wo Schornstein, Fenster und Wand eine Skulptur bilden.

Wie in einem Pavillon soll man sich fühlen. Dazu trägt der sichtbare Dachstuhl bei, die komplett verglaste Gartenfassade, das weit, bis auf die Höhe der Verglasung herab geführte Dach, das Oberlicht, welches den gesamten Wohnraum von der Rückseite her belichtet, sowie der Würfel, in dem der Wein lagert und der den Flur vom Wohnraum teilt. Die Glasfront lässt sich durch einfache Drehtüren komplett öffnen, anders als bei Schiebetüren, bei denen stets eine Hälfte festverglast ist. Sämtliche Türen schlagen jedoch nach Außen auf. Der Dachüberstand ist genau so tief, dass die Türen unter ihm geparkt und vor Witterung geschützt werden. Im Sommer soll der Garten dadurch selbstverständlicher Bestandteil des Wohnraumes werden, ebenso der Bereich der Tochter. In der Übergangszeit, wenn ausschließlich der offene Kamin den "Pavillon" heizt, wird das Brauchwasser auf dem Dach erwärmt. In Verbindung mit der monolithischen Bauweise erlaubt dies einen Kosten sparenden Betrieb bei angenehmem und gesundem Wohnklima.

 

Haus T soll nicht als „nachhaltig“ beschrieben werden, nicht als „energieeffizient“, nicht als „zukunftsorientiert“ oder „ökologisch“ auch wenn diese Eigenschaften zutreffen (weil sie heutzutage ohnehin selbstverständlich sind) – es möge angemessen und wohnlich sein.